FERDINAND-PESTER-HAUS

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Historisches über das Haus

Historische Entwicklung

1824 wurde der 7-jährige Vollwaise Carl Ferdinand Pester aus Wüstenbrand von Carl Döring aus Mittweida adoptiert. Beim Eintrag in das Kirchenregister unterlief dem Beamten - ein Sachse, er schrieb so wie er sprach - ein Schreibfehler in dem er statt Pester „Bester“ eintrug. Erst viele Jahre später wurde der Schreibfehler offenkundig. Im Firmennamen blieb er bis zur Löschung der Gesellschaft erhalten.

Am 24. August 1848 gründete Ferdinand „Bester“ eine eigene Firma im Hause Markt 23.  Zwanzig Jahre später brannte ein Teil der Unterseite des Marktes von Mittweida ab, wovon auch die Häuserseite an der Badergasse (auch Bester-Gässchen genannt), betroffen war. Ferdinand Bester baute das zerstörte Geschäft wieder auf und ließ die größten, damals verfügbaren, Schaufensterscheiben installieren. Einer der Söhne der Großfamilie Bester (17 Kinder), Hugo Bester, übernahm dann 1882 die Firma und erweiterte die Verkaufsflächen und das Sortiment.

Im Jahre 1899 ging das Geschäft mit damals 12 Mitarbeitern für mehrere Jahrzehnte an den jüngeren Bruder, Arthur Bester, über. Unter seiner Führung wurden mehrfach Erweiterungsbauten vorgenommen. Das Nachbarhaus, in dem sich eine Buchhandlung befand, wurde hinzugekauft. 1913 wurden die Räume miteinander verbunden und es entstand eine einheitliche Fassade. Zu dieser Zeit wurden schon 70 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Ersten Weltkrieg leitete Marie Pester das Kaufhaus - das sich weiterhin „Kaufhaus Bester“ nannte. Im Jahr 1925 wurde wiederum ein Nachbarhaus erworben. Im hinteren Bereich der Grundstücke entstand ein Neubau, der zu einer Verdopplung der Nutzfläche führte und sich Retzlaff-Bau (nach dem Architekten Retzlaff aus Döbeln) nannte. Die Adresse lautete fortan: Markt 21-23. Um 1930 waren dann in 16 Abteilungen 100 Mitarbeiter beschäftigt. Der Höhepunkt wurde im Jahr 1937 erreicht, in dem das Modehaus über 20 Abteilungen verfügte und die Mode-Adresse der Region darstellte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete das Kaufhaus seine Tore wieder am 26. Juni 1945. Einkaufen durften jedoch nur Angehörige der Besatzungsmacht. Erst ab dem 25. Oktober 1945 war es der Zivilbevölkerung wieder gestattet dort Waren zu erstehen.

Mittlerweile hatten Hugo Pester und Änne Pester, geb. Edle von Oetinger das „Kaufhaus Bester“ übernommen und betrieben es noch viele Jahre weiter. Erst mit der schweren Erkrankung von Hugo Pester, der am  29.12.1955 in einem Sanatorium in St. Blasien im Schwarzwald verstarb, war es Änne Pester nicht mehr möglich das Kauhaus unter den schwierigen Umständen in der DDR allein weiter zu führen. Der DDR-Betreiber „Magnet“ führte danach bis zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und noch kurze Zeit danach die Geschäfte.

Der Schweizer Lebrecht Steinegger, ursprünglich in Mittweida beheimatet, Absolvent des Technikums (siehe die Darstellung der namhaften Absolventen des Technikums am Markt von Mittweida) und später Miteigentümer und Leiter der Baumwollspinnerei in Mittweida war ein sehr guter Freund von Hugo und Änne Pester. Nach dem Tod von Hugo Pester heiratete er Änne Pester am 18.12.1957. Das Ehepaar zog nach Lachen am Zürichsee, der Heimat seines Großvaters. Nach dem Tod von Änne Steinegger am 01.09.1970 hinterließ Sie den Nachlass von Hugo und Änne Pester ihrem Ehemann Lebrecht Steinegger mit der Auflage diesen nach seinem Tod (11.09.1986) an deren Neffen und Nichten weiter zu geben, da sie selbst kinderlos waren. Die sehr heterogene Erbengemeinschaft verständigte sich schließlich 1994 darauf, dass die Brüder Prof. Dr. Bolko und Dr. Nikolaus von Oetinger den Nachlass komplett übernahmen und die verbleibenden Mitglieder der Erbengemeinschaft auszahlten.

Das Ferdinand Pester Haus - die neuere Entwicklung

Neu- und Umbau 1994 /1997

1994 begannen die Planungen für den Abriss und den Neubau des ehemaligen „Kaufhauses Bester“. Der vordere Teil des heutigen Gebäudekomplexes wurde Anfang 1996 abgerissen und neu errichtet. Der Retzlaff-Bau (Eingang Pfarrberg) wurde vollständig entkernt und komplett saniert. Das Jugendstil-Treppenhaus blieb erhalten. Ab September 1996 konnten die Kaufhaus- und die Bankflächen übergeben werden. Die umfangreichen Büroflächen und die 19 Wohnungen wurden bis Ende 1997 fertig gestellt, wobei das Haus 20 während der Baumaßnahmen hinzugekauft, abgerissen, aufgebaut und in den Gebäudekomplex angegliedert wurde. Das Kaufhaus erhielt Rolltreppen und im Gebäudekomplex wurden 4 Aufzüge eingebaut.

Entwicklung 1998 - 2002

Das Kaufhaus wurde von der Firma Fischer von 1996 bis 1998 betrieben, die 1998 Insolvenz anmeldete. Die darauf mietende Kaufring AG ging Anfang 2002 Konkurs. Der Konkursverwalter betrieb das Geschäft jedoch noch bis zum 31.12. 2002.

Entwicklung 2003 - 2008

Da in der Konkursphase ab 2002 kein neuer, verlässlicher Betreiber - auch wegen der für den Handel und insbesondere für Kaufhäuser in Deutschland sehr schwierigen Zeit - gefunden werden konnte, entschlossen sich die Brüder von Oetinger die Kaufhausflächen in zusätzliche Laden- und Büroflächen umzuwandeln. Diese Umgestaltung erfolgte vom 1.1.2003 bis 31.8.2003. Die Rolltreppen wurden entfernt. Gleichzeitig erfolgte der Einbau der Lüftungs- und Klimaanlage. In diese Zeit fällt auch der Aufbau eines umfangreichen Netzwerkes, das alle Büros und einige, ausgewählte Wohnungen nutzen können. Weiter hielt in dieser Zeit die WLAN­ Technologie Einzug in das Ferdinand Pester Haus und ermöglicht somit mit einem Notebook, PDA oder Mobiltelefon jetzt in jedem Teil des Gebäudekomplexes auch den drahtlosen Internetzugriff.

Entwicklung 2009 - 2014

2009 wurde die zentrale Lüftungs- und Klimaanlage erheblich erweitert (zweite Anlage). Damit sind jetzt alle Büros und Läden mit einer Lüftung versehen, die laufend frische, gefilterte Luft zur Verfügung stellt. Dazu sind all diese Bereiche auch klimatisiert und weitgehend mit Einzelraumsteuerungen versehen. Die Kältemittelaufbereitung (Kühlung  von umwelt-freundlichem Wasser) erfolgt dabei zentral. Weitere Umbauten, die im Wesentlichen einer Verbesserung des Ambientes des Vorderhauses dienten, kamen auch hinzu. Das ehemalige Großraumbüro der DAK im 2.0bergeschosses wurde 2009 komplett umgebaut, da das Büro der DAK verkleinert werden sollte. Es entstanden 3 zusätzliche Wohnungen und ein kleines Büro (DAK). Die Büros 3 - 5 im 2. OG wurden gleichzeitig auf den neuesten Stand gebracht.

Von 2011 bis 2014 wurde nach umfangreichen Planungsarbeiten eine umfassende technische Steuerung der wesentlichen technischen Funktionen des Ferdinand­-Pester-Hauses implementiert. Sie umfasst Aggregate wie Lüftungs- und Klimaanlagen, 2 Heizkessel, die zentrale Warmwasserversorgung, 2 Hebeanlagen, das Abwasserrückschlagventil, der Notstromanlage, verschiedener ausgewählter Lüfter, Luftschleier, usw. Gleichzeitig sorgt diese Anlage auch bei Störfällen für eine automatische Benachrichtigung des Hausmeisters und der Serviceunternehmen per E-mail und auf das jeweilige Service-Handy.

Diese umfassende Steuerung, die auch über das Internet Fernregulierungen und Änderungen der Steuerungssoftware ermöglicht, dient im Wesentlichen dazu die Effizienz aller Anlagen zu optimieren, die Betriebskosten zu verringern, die Betriebssicherheit zu erhöhen und damit die Arbeits- und Wohnqualität und die Effizienz der Aggregate im gesamten Gebäudekomplex nochmals deutlich zu steigern.

Mit dem Architekturbüro Grebner GmbH in Dresden, dem Planungsunternehmen des gesamten Gebäudekomplexes, wurde 2013 das Erscheinungsbild der Allgemeinflächen und aller Wohnungen überarbeitet, um es dem Zeitgeist anzupassen. Die Arbeiten wurden alle im Jahr 2013 realisiert.

2014 wurde unter anderem eine bestehende Wohnung nach den neuesten Erkenntnissen in eine behinderten-gerechte Wohnung umgebaut und dafür rd. 60.000€ zusätzlich investiert. Neben umfangreichen Renovierungsarbeiten, dem Austausch der Technik der Video-Anlage, dem Ersatz eines Teildaches mit neuen elektrisch gesteuerten Velux-Dachfenstern wurden auch die restlichen Allgemeinbereiche barrierefrei gestaltet. Insgesamt belief sich der Aufwand für alle Verbesserungsmaßnahmen in 2014 auf rd. 250.000€.

Der Gebäudekomplex Ferdinand-Pester-Haus (Markt 20 - 23) ist damit eines der technisch am besten ausgerüsteten Geschäftshäuser von Mittweida und im weiteren Umkreis. Zur Verbesserung der Technik, des Komforts und des Erscheinungsbildes wurden in den Jahren 2003 bis inkl. 2014 nochmals mehr als 2,7 Millionen Euro aufgewendet. Damit gehört das Ferdinand Pester Haus heute zu den technisch fortschrittlichsten, komfortabelsten und attraktivsten Gebäuden von Mittweida. Ein besonderes Highlight ist auch die begrünte und eingerichtete Dachterrasse (260m2), die allen Mietern zur Nutzung frei steht. Darüber hinaus ist der Gebäudekomplex weitgehend barrierefrei gestaltet und wegen seiner besonderen Lage und des hohen sonstigen Komforts (z.B. mehrere Aufzüge) für Senioren besonders geeignet.

Das Ferdinand Pester Haus heute

Der Gebäudekomplex verfügt derzeit über:

23 Wohnungen mit 1616 m²
16 Büroeinheiten mit 1428 m²
5 Ladenflächen mit 1536 m²
48 Parkplätze  
4 Aufzüge  

in memoriam

In Erinnerung an Ferdinand Pester und die Familie Pester, die an dieser Stelle Großes in ihrer Zeit in Mittweida bewirkt hat, wurde der Gebäudekomplex, zu dem auch das Haus Markt 20 gehört, Ferdinand Pester Haus genannt. Mit der Schreibweise Pester statt Bester, die von der Familie schon im vergangenen Jahrhundert abweichend von der Bezeichnung "Kaufhaus Bester" verwendet wurde, ist der Schreibfehler des Kirchenschreibers korrigiert.

Stand: 01. Oktober 2016